Beschreibung
Die Gedenktafel befindet sich am nördlichen Rand der historischen Hersbrucker Altstadt, gegenüber des Deutschen Hirtenmuseums sowie rund 200 Meter vom Rathaus und rund 450 Meter vom Bahnhof entfernt. Die Tafel wurde an der linken Seite der Hausfassade in einer Höhe oberhalb der Erdgeschossfenster angebracht.
Ihre Inschrift lautet:
„Hier in diesem Haus wohnte Familie Strauss, die am 8.3.1943 in das KZKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner.
Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". Auschwitz deportiert und wo Maria Strauss, Adolf Strauss und Erich Strauss ermordet wurden."
Entstehung
Zu den Entstehungshintergründen der Tafel sind bisher nur wenige Details bekannt. Nachkommen der in Auschwitz ermordeten Angehörigen der Familie Strauss brachten sie Ende der 1980er Jahre an der Fassade des ehemaligen Wohnhauses der Familie an. Aus Angst vor einer zu großen Öffentlichkeit entschied man sich für eine rein private und nicht-öffentliche Initiative.
Die Gedenktafel blieb mehrere Jahrzehnte lang der einzige öffentliche Hinweis darauf, dass auch Hersbrucker Sinti-Familien Opfer der NS-Verfolgung geworden waren. Erst ab 2017 kam es auf Initiative des Vereins „Dokumentationsstätte KZ Hersbruck“ zu lokalen Diskussionen und Überlegungen über einen angemessenen Erinnerungsort. Dieser wurde schließlich mit der Einweihung eines Denkmals im Rosengarten 2020 geschaffen.
Quellenangaben
Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum, Heidelberg: Sammlung Gedenkorte
Korrespondenzen mit Leonard Stöcklein vom August 2024 und April 2026
Kornmayer, Paul: Verfolgt, deportiert, ermordet. Die Geschichte der Sinti in Hersbruck 1939-1945, Hersbruck 2018.
Puvogel, Ulrike/Stankowski, Martin/Graf, Ursula: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, 2.Aufl., Bonn 1996, S. 147.
Stöcklein, Leonard: Petrifizierte Bewahrung der Vergangenheit? Die Stadt Hersbruck und ihr nationalsozialistisches Erbe, in: Bennewitz, Nadja/Büchert, Gesa/Kilau, Mona (Hrsg.): Positionen, Projekte, Perspektiven. Zwischen Geschichtsdidaktik und fränkischer Kulturgeschichte, Göttingen 2023, S. 157.




