Koblenz, Peter-Altmeier-Ufer

Denkmal für die aus Koblenz deportierten und ermordeten Sinti und Roma
  • (Foto: Natascha Desgronte)
  • Oberbürgermeister Dr. Schulte-Wissermann bei der Einweihungsfeierlichkeit 1997 (Foto: Landesverband RLP)
  • Teilnehmende bei der Einweihungsfeierlichkeit (Foto: Landesverband RLP)
  • Denkmal nach der Einweihung (Foto: Landesverband RLP)
  • Mit dem Wappen der Stadt Koblenz verhülltes Denkmal vor der Einweihung (Foto: Landesverband RLP)
  • (Foto: Landesverband RLP)
  • Denkmal am Deutschen Eck (Foto: Stadtarchiv Koblenz)

Kurzinformation

Denkmal für die aus Koblenz deportierten und ermordeten Sinti und Roma

Beschreibung

Das Denkmal wurde in unmittelbarer Nähe des Deutschen Ecks, dem Zusammenfluss von Mosel und Rhein, errichtet. Es besteht aus einem 135 cm hohen und 95 cm breiten Bachfindling aus dem Maggia-Tal in der italienischen Schweiz. Auf ihm wurde eine 65 x 40 cm große Bronzegusstafel in Form einer Papyrusrolle angebracht. Die Aufschrift lautet:

„Wider das Vergessen
Zum Gedenken an die Sinti und Roma, die hier unter uns lebten, Männer Frauen und Kinder  –  Im Nationalsozialismus wurden sie aus ihrer Heimatstadt Koblenz in die KonzentrationslagerKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". deportiert und ermordet.“

Hintergrund

Die Initiative für das Denkmal ging vom Landesverband Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz aus. Im November 1994 wandte sich dessen Vorsitzender, Jacques Delfeld, an den Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Eberhard Schulte-Wissermann, mit der Bitte, „aus Respekt für die wenigen Überlebenden und als Mahnung für die jungen Menschen“ in Koblenz einen Gedenkstein für die während der NS-Zeit ermordeten Koblenzer Sinti und Roma zu errichten.

Die Stadtverwaltung zeigte sich dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen und antwortet in einem Schreiben vom 29. November 1994: „[…] Wir sind der Meinung, dass es nur recht und billig sein kann, dass in Koblenz nicht nur der ermordeten Juden, sondern auch der Opfer unter den Sinti und Roma im öffentlichen Raum gedacht wird. Zur Zeit prüfen wir, in welcher Form dies am besten geschehen könnte.“ In den darauffolgenden Monaten wurden durch das Stadtarchiv Koblenz Informationen über die Verfolgung der Koblenzer Sinti und Roma zusammengetragen sowie zwischen Stadtverwaltung und Landesverband der Sinti und Roma mögliche Standorte für das Denkmal diskutiert.

Erste Ideen, das Denkmal am Hauptbahnhof, auf dem Friedhof in Koblenz-Lützel oder am Standort des ehemaligen Gestapo-Gefängnisses zu errichten, wurden nach Ortsbegehungen wieder verworfen. Im Frühjahr 1996 fiel schließlich die Entscheidung, das Erinnerungszeichen in unmittelbarer Nähe eines der am meist besuchten Orte in der Stadt Koblenz – und damit inmitten des städtischen Lebens – zu platzieren: auf einer Grünfläche am Deutschen Eck. Die Suche nach einer finanziellen Förderung des Projektes stieß bei der Sparkasse Koblenz auf Unterstützung: Sie spendete im Dezember 1996 einen Betrag in Höhe von 10.000,- DM und machte damit die Realisierung des Denkmals möglich.

Im Frühjahr 1997 begann die Arbeit am Denkmal, das schließlich am 13. Mai 1997 im Rahmen einer Feierstunde enthüllt werden konnte. Neben dem Oberbürgermeister Dr. Schulte-Wissermann und Jaques Delfeld, dem Vorsitzenden des Landesverbands, wirkte auch Sascha Christian Reinhardt daran mit. Er hatte zahlreiche Angehörige durch die Verfolgung der Nationalsozialisten verloren und formulierte: „Ich habe heute die Aufgabe übernommen, für diejenigen Menschen zu sprechen, die die grausamen Jahre in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten überlebt haben. Auch für mich, der ich mit 45 Jahren zur Nachkriegsgeneration gehöre, ist es nicht leicht, ohne Emotionen zu sprechen. […] Wir trauern heute um unsere Toten. Unsere Toten verpflichten uns, Verantwortung zu tragen für unsere Gegenwart und für die Zukunft unserer Kinder.“

Begleitend zur Feierlichkeit wurde ein Programm zusammengestellt, dass die Verfolgung der Sinti und Roma in Form von Vorträgen, Zeitzeugengesprächen und der Ausstellung des Landesverbandes „Die Überlebenden sind die Ausnahme“ vertiefte.

Gestaltung

Das Denkmal wurde vom Koblenzer Steinbildhauer Manfred Lorisika geschaffen.

Quellenangaben

Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum, Heidelberg: Sammlung Gedenkorte
Archiv des Verbands Deutscher Sinti & Roma – Landesverband Rheinland Pfalz, Landau

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