Landau, Kaufhausgasse

Gedenktafel für die verfolgten und ermordeten Landauer Sinti und Roma
  • Der Überlebende Richard Reinhardt bei der Einweihung, 2001 (Foto: Landesverband RLP)
  • Frank-Loebschen-Haus in der Landauer Altstadt, 2018 (Foto: Andreas Pflock)
  • Detailansicht der Gedenktafel, 2018 (Foto: Andreas Pflock)
  • Jacques Delfeld erläutert Gästen den Entstehungshintergrund der Tafel, 2018 (Foto: Andreas Pflock)
  • Einweihung der Gedenktafel, 2001 (Foto: Landesverband RLP)

Kurzinformation

Gedenktafel für die verfolgten und ermordeten Landauer Sinti und Roma

Beschreibung

Die Gedenktafel befindet sich im Zentrum der historischen Landauer Altstadt auf der rechten Seite neben dem Eingangsportal zum Frank-Loebschen-Haus. Auf der Bronzetafel im Format von 60 x 36 cm ist folgende Inschrift zu lesen: 

„Wider das Vergessen.
Zum Gedenken an die während des Nationalsozialismus deportierten Sinti, die unter uns lebten. Männer, Frauen und Kinder – im Nationalsozialismus wurden sie in die KonzentrationslagerKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". deportiert und ermordet.“

Hintergrund

Die Initiative für die Gedenktafel ging vom (im Landau ansässigen) Landesverband Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz aus. Am 14. Mai 1997 wandte sich dessen Vorsitzender Jacques Delfeld an den Oberbürgermeister Dr. Wolff mit der Anregung, in der Stadt ein sichtbares Zeichen zur Erinnerung an die Deportierten Sinti-Familien anzubringen. Obwohl grundsätzlich Einigkeit über die Notwendigkeit für ein Erinnerungszeichen bestand, verzögerten vor allem Meinungsverschiedenheiten um einen geeigneten Standort den Realisierungsprozess. Während die Stadt u.a. eine Nische an der Nordseite der Katharinenkapelle bevorzugte, lehnten der Vorstand des Landesverbands und Überlebende diesen Standort ab. Seine abseitige Lage und wiederholte Verunreinigungen ließen den Standort als eher ungeeignet für ein würdiges Gedenken inmitten der Stadtgesellschaft erscheinen.

Die vom Landesverband vorgeschlagene Anbringung einer Tafel am Frank-Loebschen-Haus wurde vonseiten der Stadt mit dem Verweis auf eine dort bereits untergebrachte Ausstellung zur Verfolgung der Sinti und Roma abgelehnt. Das Frank-Loebschen-Haus war Geburtshaus des Urgroßvaters von Anne Frank und wurde im Oktober zum Sammelplatz für die DeportationDeportation Bezeichnung für die zwangsweise Um- oder Aussiedlung von Menschen aus ihren Wohngebieten, zum Teil unter Androhung und Anwendung von Gewalt. Während der NS-Zeit wurden ganze Bevölkerungsgruppen wie Juden oder Sinti und Roma zunächst aus dem Deutschen Reich, dann auch aus dem übrigen Europa, in Sammellager, Gettos und Konzentrations- oder Vernichtungslager in die besetzten Ostgebiete deportiert und dort ermordet. Oft wurde dies auch zur Tarnung als "Evakuierung" bezeichnet. der jüdischen Bevölkerung in das Lager Gurs. Nach Renovierungsmaßnahmen im Jahr 1987 wurden dort u.a. kleine Ausstellungsräume zur Geschichte und Verfolgung der Landauer Juden und zur Geschichte und Verfolgung der Sinti und Roma (1992) eingerichtet. Letztere war – nach Jahrzehnten des Verdrängens – die erste ihrer Art überhaupt.

Eine Ortsbegehung mit dem Ältestenrat der Stadt Landau und Vertretern des Landesverbands führte schließlich am 28. März 2000 zu einer einvernehmlichen Einigung und Entscheidung über den Standort: Rechts neben dem Eingangsportal des Frank-Loebschen-Hauses sollte eine Gedenktafel angebracht werden und ein würdiges Gedenken ermöglichen.

Durch eine Spende der Sparkasse Südliche Weinstraße konnte eine Bronzetafel angefertigt und im Rahmen einer Feierstunde am 15. Mai 2001 von Oberbürgermeister Wolff und dem Verbandsvorsitzenden Jacques Delfeld enthüllt werden: 61 Jahre nach der Deportation der pfälzischen Sinti und Roma.

Gestaltung

Die Bronzetafel wurde von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn (Hessen) angefertigt.

Quellenangaben

Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum, Heidelberg: Sammlung Gedenkorte
Archiv des Verbands Deutscher Sinti & Roma – Landesverband Rheinland Pfalz, Landau

 

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