Trochtelfingen, Parkplatz Wilsingen

Gedenktafel für Angehörige der Sinti-Familie Reinhardt
  • Inschrift der Gedenktafel (Foto: Andreas Pflock)
  • Blick auf den Standort/Parkplatz an der Kreisstraße 6739 (Foto: Andreas Pflock)
  • Kalkstein mit Gedenktafel vor dem Waldrand (Foto: Andreas Pflock)
  • Detailansicht des Steins und der Gedenktafel (Foto: Andreas Pflock)
  • Gesamtansicht des Gedenkortes (Foto: Andreas Pflock)

Kurzinformation

Gedenktafel für Angehörige der Sinti-Familie Reinhardt

Beschreibung

Der Gedenkort befindet sich rund einen Kilometer nordwestlich des Trochtelfinger Ortsteils Wilsingen – auf einem Parkplatz an der Kreisstraße 6739 in Richtung Steinhilben. Er besteht aus einem über ein Meter hohen, vor dem Waldrand aufgestellten Kalkstein in Form eines ungleichmäßigen Dreiecks und einer dort angebrachten Bronzetafel.

Die Inschrift der Tafel lautet: „An dieser Stelle wurde 1941 die Großfamilie Reinhardt, 13 Personen, auf einen Pritschenwagen getrieben und in die KZKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit".-Lager ohne Wiederkehr gebracht.“

Entstehung

Der Gedenkort wurde von John Reinhardt, der den Holocaust überlebte, initiiert und gestiftet. Im Alter von 10 Jahren musste er mitansehen, wie 13 seiner Familienangehörigen an dieser Stelle verhaftet und deportiert wurden. Sie alle wurden später ermordet. John Reinhardt entkam nur durch einen Zufall: Er sammelte im Wald Reisig und konnte sich verstecken. Es gelang ihm, bis zum Kriegsende unterzutauchen und so der ständig drohenden DeportationDeportation Bezeichnung für die zwangsweise Um- oder Aussiedlung von Menschen aus ihren Wohngebieten, zum Teil unter Androhung und Anwendung von Gewalt. Während der NS-Zeit wurden ganze Bevölkerungsgruppen wie Juden oder Sinti und Roma zunächst aus dem Deutschen Reich, dann auch aus dem übrigen Europa, in Sammellager, Gettos und Konzentrations- oder Vernichtungslager in die besetzten Ostgebiete deportiert und dort ermordet. Oft wurde dies auch zur Tarnung als "Evakuierung" bezeichnet. zu entkommen.

Im Jahr 1998 wandte sich John Reinhardt mit dem Wunsch zur Errichtung eines Erinnerungszeichens für seine ermordeten Familienangehörigen an die Stadt Trochtelfingen. Im Rathaus und den politischen Gremien stieß das Anliegen direkt auf die Unterstützung des Bürgermeisters Friedrich Bisinger und des Wilsinger Ortsvorstehers Franz Vetter. Nachdem der städtische Bauhof ein Betonfundament gesetzt hatte, konnten die Platzierung des Steins und die Anbringung der Tafel erfolgen.

In Anwesenheit von rund 100 Teilnehmenden wurde der Gedenkort schließlich im Rahmen einer Feierstunde eingeweiht. Neben Ansprachen von Bürgermeister, Ortsvorsteher und John Reinhardt und der Segnung des Gedenkorts durch Pater Hans Josef Klein übernahm der Wilsinger Musikverein die musikalische Begleitung der Veranstaltung.

Quellenangaben

Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum, Heidelberg: Sammlung Gedenkorte

Michael J. H. Zimmermann: Soll ich denn meines Bruders Hüter sein? Württembergs evangelische Christen und der VölkermordVölkermord Bezeichnung für die vorsätzliche Ermordung, Ausrottung oder anderweitige Vernichtung von Volksgruppen aufgrund ihrer vermeintlich rassischen, ethnischen oder sozialen Merkmale, ihrer Nationalität oder religiösen Überzeugungen. 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen einen völkerrechtlichen Vertrag über die Verhütung und die Bestrafung von Völkermorden. an Sinti und Roma, in: Schwäbische Heimat 2/2013, S. 193-201.

Ein Kindheitstrauma sichtbar gemacht, in: Reutlinger Generalanzeiger vom 6.11.2000.
Bräuninger, Joachim: Das Drama im Wald, in: Reutlinger Generalanzeiger vom 28.8.200.
Heder-Wenisch, Sabine: Bisinger: „Nachdenken was folgt“, in: Alb Bote vom 6.11.2000.

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