Weimar, Gedenkstätte Buchenwald

Denkmal für die im KZ Buchenwald inhaftierten und ermordeten Sinti und Roma
  • Das Denkmal unmittelbar vor der Einweihung (Foto: DoKuZ)
  • Blick auf das Denkmal mit Inschrift (vorne links). Im Hintergrund das Gebäude der ehem. Effektenkammer und das ehem. Krematorium (Foto: Jürgen M. Pietsch)
  • Blick auf die Stelen mit den Orten der Konzentrations- und Vernichtungslager (Foto: Jürgen M. Pietsch)
  • Ansicht des Denkmals mit Blick auf den ehemaligen Appellplatz und das Lagertor (Foto: Jürgen M. Pietsch)

Kurzinformation

Denkmal für die im KZ Buchenwald und seinen Außenlagern inhaftierten und ermordeten Sinti und Roma

Beschreibung

Das erste Denkmal für Sinti und Roma auf dem Gelände einer deutschen KZKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit".-Gedenkstätte wurde in Buchenwald errichtet. Als Ort für das Denkmal wurde die Grundfläche der ehemaligen Häftlingsbaracke (Block) 14 ausgewählt, der von der SSSchutzstaffel Die Schutzstaffel (kurz: SS) war 1925 als persönliche Leibwache Hitlers gegründet worden. Unter Heinrich Himmler wurde die SS zu einer Eliteeinheit aufgebaut, die zum zentralen Instrument des staatlichen Terrors wurde. Die SS hatte im Rahmen der „Endlösung“ maßgeblichen Anteil am Völkermord an den europäischen Juden sowie den Sinti und Roma. auch als „Zigeunerblock“ bezeichnet worden war. Dort waren 1939/1940 hunderte Roma aus dem österreichischen BurgenlandBurgenland Das Burgenland ist das östlichste und kleinste (Einwohnerzahl) Bundesland in Österreich. Vor 1938 lebten ca. 11.000 Sinti und Roma in Österreich, davon ca. 8.000 im Burgenland. inhaftiert. Auf der Fläche wurden etwa hundert sechseckige Stelen aus dunklem Basalt mit einer Höhe zwischen 50 und 90 cm unregelmäßig verteilt. Im westlichen Teil des Areals stehen sie dicht gedrängt, Richtung Osten löst sich die Formation allmählich auf: Die Stelen scheinen Stein für Stein im ansteigenden Gelände zu versinken. Dazu sagte der Künstler Daniel Plaas: „Die Anordnung der Stelen bringt die Bedrängnis, die Bedrohung zum Ausdruck, der die Menschen ausgeliefert waren. Das immer weitere Versinken symbolisiert die Vernichtung.“

Auf 18 der Stelen sind die Namen von Konzentrations- und Vernichtungslagern eingemeißelt, in denen Sinti und Roma ermordet wurden. Der unbehauene, naturbelassene Basaltstein verweist außerdem auf die mörderische ZwangsarbeitZwangsarbeit Bezeichnung für die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ohne oder mit nur sehr geringer Bezahlung. Das nationalsozialistische Deutschland schuf mit insgesamt über 12 Millionen Zwangsarbeiter*innen eines der größten Zwangsarbeitssysteme der Geschichte. Neben Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen wurden Millionen von Zivilisten aus besetzten Staaten Europas größtenteils verschleppt und von der deutschen Industrie als Zwangsarbeiter*innen missbraucht. im Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald, der viele Häftlinge zum Opfer fielen. Eine dreisprachige Inschrift in Englisch, Deutsch und Romanes an der nordwestlichen Seite des Denkmals lautet: „Zum Gedenken an die Sinti und Roma, die Opfer des NS-Völkermords wurden".

Der Künstler hat seinen Entwurf bewusst der heutigen Topografie des Lagergeländes angepasst. Das Mahnmal, dessen Stelen maximal 80 cm aus dem Boden herausragen, kann zwar schon von Weitem wahrgenommen werden, es soll jedoch keinesfalls die Weite und Kargheit der großen ehemaligen Lagerfläche beeinträchtigen oder gar dominieren. Die ursprünglich fast vollständig erhaltenen Häftlingsbaracken wurden nach 1952 abgerissen. Heute vermitteln nur die verbliebenen Fundamentreste der Baracken und die dunklen Steinschüttungen, welche deren frühere Standorte markieren, einen Eindruck von der damals bebauten Fläche des Lagers.

Entstehung

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald wurde 1958 eine Nationale Mahn- und Gedenkstätte eingeweiht. Bestehend aus Teilen des ehemaligen Lagers und einer neu geschaffenen Denkmalanlage war die Gedenkstätte Buchenwald das zentrale Nationaldenkmal der DDR. Die Darstellung der Lagergeschichte stand ganz im Zeichen einer Heroisierung des kommunistischen Widerstands, der wiederum von herausragender Bedeutung für die Legitimation der SED und ihres Herrschaftsanspruchs in der DDR war. In diesem offiziellen staatlichen Antifaschismus-Bild fand der VölkermordVölkermord Bezeichnung für die vorsätzliche Ermordung, Ausrottung oder anderweitige Vernichtung von Volksgruppen aufgrund ihrer vermeintlich rassischen, ethnischen oder sozialen Merkmale, ihrer Nationalität oder religiösen Überzeugungen. 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen einen völkerrechtlichen Vertrag über die Verhütung und die Bestrafung von Völkermorden. an den Sinti und Roma keine Erwähnung; auch die jüdischen Opfer wurden (wie auch andere Häftlingsgruppen) nur am Rande erwähnt.

Vor diesem Hintergrund empfahl die vom Land Thüringen im September 1991 einberufene Historikerkommission zur Neuorientierung der Gedenkstätte Buchenwald, einen Gedenkort für die jüdischen Opfer des Konzentrationslagers wie auch einen Gedenkort für die in Buchenwald und seinen Außenkommandos ermordeten Sinti und Roma zu schaffen. Das Denkmal geht auf eine gemeinsame Initiative des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und der Gedenkstätte Buchenwald zurück. Nach der Einweihung des jüdischen Mahnmals (an der Stelle des ehemaligen jüdischen Blocks 22) am 9. November 1993 wurde im Sommer des Folgejahres eine Ausschreibung für das den Sinti und Roma gewidmete Mahnmal durchgeführt. Im Vorfeld hatten sich die Gedenkstättenleitung und das Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma auf Block 14, einen ehemaligen "Zigeunerblock", als Standort verständigt. In die Ausschreibung wurden ausschließlich jene zehn Künstler einbezogen, deren Entwürfe bei der vorangegangenen Ausschreibung für das jüdische Mahnmal prämiert worden waren.

Am 27. September 1994 trat erstmals eine Vergabekommission unter Leitung des Malers und Bildhauers Dierk Engelken (Bundesvorstand des Bundesverbandes Bildender Künstler) zusammen, der auch Vertreter des Dokumentations- und Kulturzentrums angehörten. Die gemeinsame Entscheidung fiel zugunsten eines Entwurfs des Stuttgarter Künstlers Daniel Plaas. Am 21. November 1994 fand die Grundsteinlegung statt. Dabei wurden das Modell und das Konzept des künftigen Mahnmals erstmals öffentlich präsentiert. Das Mahnmal, das eine Aura von Stille und Schlichtheit umgibt, bildet einen deutlichen Kontrast zu den monströsen Mahnmalen aus der DDR-Zeit. Das brachte auch der Direktor der Stiftung Thüringische Gedenkstätten, Volkhard Knigge, gegenüber der Presse zum Ausdruck: „Dies ist ein Geschichtszeichen, mit dem sich jeder Besucher allein auseinandersetzen muss. Es ist keinesfalls ein Mahnmal für Massenaufmärsche und Massenversammlungen."

Gestaltung

Daniel Plaas ist gelernter Steinmetz und Steinbildhauer. Nachdem er 1990 von der Stadt Ahlen den ersten Platz für den Entwurf eines Brunnens erreicht hatte, entschloss er sich, als freier Künstler zu arbeiten. Bei der Ausschreibung für das jüdische Denkmal in Buchenwald erreichte sein Entwurf den 4. Platz. Daniel Plaas verbrachte insgesamt fünf Wochen in der Gedenkstätte Buchenwald, um das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma auf der 8 Meter breiten und 50 Meter langen Fläche zu errichten. Bei den Bauarbeiten wurde er von Soldaten des 1. Panzerbataillons 393 unterstützt.

Quellenangaben

Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum, Heidelberg: Sammlung Gedenkorte

Zur Neuorientierung der Gedenkstätte Buchenwald. Die Empfehlungen der vom Minister für Wissenschaft und Kunst des Landes Thüringen berufenen Historikerkommission, Weimar-Buchenwald 1992.
Die Neukonzeption der Gedenkstätte Buchenwald, Weimar 2001.
Endlich, Stefanie/Goldenbogen, Nora/u. a.: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band II, Bonn 1999, S. 892-903.
Überlebensmittel - Zeugnis - Kunstwerk - Bildgedächtnis. Die ständige Kunstausstellung der Gedenkstätte Buchenwald. Denkmale auf dem Lagergelände, erstellt von Ursula Härtl, Weimar 2003.

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