Arolsen Archives

Internationales Zentrum über NS-Verfolgung
  • Eingang zum Hauptgebäude (Foto: Johanna Groß/Arolsen Archives)
  • Crowdsourcing Projekt "Jeder Name zählt...!" mit Schülerinnen und Schülern der Elisabeth-Knipping-Schule aus Kassel(Foto: Johanna Groß/Arolsen Archives)
  • Originaldokumente aus den Konzentrationslagern (Foto: Johanna Groß/Arolsen Archives)
  • Häftlingskarte des Roma-Jungen Johann Herak aus dem KZ Auschwitz-Birkenau (Foto: Arolsen Archives)
  • Pädagogischer Tag mit Schülerinnen und Schülern (Foto: Gollhardt/Arolsen Archives)
  • Blick in einen Magazinbereich (Foto: Johanna Groß/Arolsen Archives)

Kurzinformation

Internationales Zentrum über NS-Verfolgung

Beschreibung

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zwischen 1933 und 1945 Millionen von Männern, Frauen und Kindern verschleppt und ermordet. Für die Suche nach Vermissten und die Klärung von Schicksalen entstand in Arolsen bei Kassel das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Es umfasst heute über 30 Millionen Originaldokumente zu Opfern des Holocaust an Juden und Sinti und Roma, zu Häftlingen der KonzentrationslagerKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". und zu ausländischen ZwangsarbeiterZwangsarbeit Bezeichnung für die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ohne oder mit nur sehr geringer Bezahlung. Das nationalsozialistische Deutschland schuf mit insgesamt über 12 Millionen Zwangsarbeiter*innen eines der größten Zwangsarbeitssysteme der Geschichte. Neben Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen wurden Millionen von Zivilisten aus besetzten Staaten Europas größtenteils verschleppt und von der deutschen Industrie als Zwangsarbeiter*innen missbraucht.*innen sowie zu den Überlebenden. Mehr als 50 Millionen Karteikarten zu mehr als 17,5 Millionen Menschen umfasst allein die Zentrale Namenkartei. Darüberhinausgehend überliefern drei Millionen Fallakten die Korrespondenzen zu Schicksalen einzelner Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Die weltweit einzigartigen Originalbestände gehören seit dem Jahr 2013 zum „UNESCO-Memory of the World“, dem Weltdokumentenerbe.

Als die Institution im Jahr 1948 unter dem Namen International Tracing Service (ITS) gegründet wurde, standen den Mitarbeiter*innen für ihre Arbeit zunächst nur wenige Originaldokumente zur Verfügung. Doch das sollte sich schnell ändern. Um die Todesmärsche aus den Konzentrationslagern zu dokumentieren, auf die zehntausende Häftlinge in den letzten Kriegswochen gezwungen worden waren, schickte der ITS Fragebögen an Tausende Gemeinden wie auch an ehemalige Häftlinge. Diese Sammlung von Ermittlungsunterlagen und eine ähnliche Sammlung mit Tausenden Fragebögen, in denen ehemalige Häftlinge Auskünfte über kaum bekannte Inhaftierungsorte gaben, zählten zu den ersten Unterlagen in Arolsen.

Nach der Auflösung der in den alliierten Besatzungszonen eingerichteten Suchbüros Anfang der 1950er Jahre gelangten weitere und besonders wertvolle Sammlungen nach Arolsen, darunter die Unterlagen, die durch Alliierte und Überlebende in Buchenwald, Dachau, Mauthausen und anderen Konzentrationslagern gerettet worden waren. Auch Hunderttausende Listen über ausländische Zwangsarbeiter*innen sowie Zwangsarbeiter-Registrierungsunterlagen zählten dazu. Schließlich gelangten Ende 1952 über 30 Tonnen alliierter Dokumente zu sogenannten Displaced PersonsDisplaced Persons Unter den Sammelbegriff der Displaced Persons (kurz: DPs) wurden Ende des Zweiten Weltkriegs all jene ausländischen Zivilpersonen zusammengefasst, die sich durch Kriegseinwirkung an Orten außerhalb ihrer Heimat aufhielten. Hierzu zählten vornehmlich ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und andere Arbeitskräfte, die teils freiwillig, teils unfreiwillig während der Kriegsjahre nach Deutschland gekommen waren. Diese Personengruppe der DPs war für die Besatzungsmächte zusätzlich zur Versorgung der reichsdeutschen Bevölkerung eine große Herausforderung. Ziel dabei war, möglichst vielen DPs die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen, was aufgrund der Spannungen mit der UdSSR und den von ihr besetzten europäischen Staaten nicht immer möglich war. In den Auffanglagern entwickelte sich eine von den DPs getragene Selbstverwaltung mit kulturellen Veranstaltungen und einer bunten Presselandschaft. (Quelle: Artikel von Juliane Wetzel im Historischen Lexikon Bayerns) am 18.11.2020 nach Arolsen.

Doch das Archiv umfasst nicht nur Originale, sondern auch Millionen von Kopien. Um auch zu ehemaligen Zwangsarbeiter*innen und Opfern des Holocaust aus Mittel- und Osteuropa besser Auskunft geben zu können, reisten Mitarbeiter*innen nach 1990 durch Europa und fertigten Millionen von Dokumentenkopien an, die in Arolsen erfasst und ausgewertet wurden.

Einen weiteren wichtigen Bestand der Arolsen Archives stellen die „Korrespondenz-Akten“ dar. Sie enthalten den Schriftverkehr zu Anfragen von Überlebenden und Angehörigen der Ermordeten oder Vermissten mit zum Teil sehr persönlichen Berichten von NS-Verfolgten und ihren Familien. Die Korrespondenzen selbst sind über die Jahrzehnte zu wertvollen historischen Quellen geworden, weil sie zum Beispiel Informationen über NS-Verfolgte enthalten, zu denen sonst keine Dokumenten-Überlieferung existiert.

Jährlich beantworten die Arolsen Archives Anfragen zu rund 20.000 NS-Verfolgten. Wichtiger denn je sind die Angebote für Forschung und Bildung, um das Wissen über den Holocaust, die Konzentrationslager und ZwangsarbeitZwangsarbeit Bezeichnung für die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ohne oder mit nur sehr geringer Bezahlung. Das nationalsozialistische Deutschland schuf mit insgesamt über 12 Millionen Zwangsarbeiter*innen eines der größten Zwangsarbeitssysteme der Geschichte. Neben Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen wurden Millionen von Zivilisten aus besetzten Staaten Europas größtenteils verschleppt und von der deutschen Industrie als Zwangsarbeiter*innen missbraucht. wie auch die Folgen der Nazi-Verbrechen in die heutige Gesellschaft zu bringen. Die Arolsen Archives verfügen über ein umfangreiches Online-Archiv und machen damit die Dokumente weltweit zugänglich.

Angebote

In den Beständen der Arolsen Archives befinden sich unzählige Dokumente, die sowohl personenbezogene wie auch allgemeinhistorische Informationen über die Verfolgung von Sinti und Roma in der NS-Zeit liefern. Hinzu kommen Publikationen, die sich teils und ausschließlich mit diesem Themenschwerpunkt beschäftigen. Die verschiedenen Angebote werden hier zur ersten Orientierung skizziert.

Lernen mit Dokumenten
Im Online-Archiv können Dokumente aus den Beständen zu zahlreichen Konzentrationslagern und Haftstätten, darunter Unterlagen zur Verfolgung und zum VölkermordVölkermord Bezeichnung für die vorsätzliche Ermordung, Ausrottung oder anderweitige Vernichtung von Volksgruppen aufgrund ihrer vermeintlich rassischen, ethnischen oder sozialen Merkmale, ihrer Nationalität oder religiösen Überzeugungen. 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen einen völkerrechtlichen Vertrag über die Verhütung und die Bestrafung von Völkermorden. an den Sinti und Roma recherchiert werden. Darüber hinaus sind auch Dokumente aus der Zeit nach 1945 aufzufinden, welche die Situation der Überlebenden der NS-Verfolgung und deren Unterstützung durch alliierte Hilfsorganisationen widerspiegeln. Sie enthalten unter anderem Angaben zu Sinti und Roma, die als Displaced Persons registriert wurden oder bei der Internationalen Flüchtlingsorganisation (International Refugee Organization) Anträge auf Unterstützung stellten. 
Zur Suche im Online-Archive

Der e-Guide hilft als interaktives Onlinetool bei der Einordnung der Dokumente in ihren Entstehungskontext. Derzeit sind Beschreibungen für Dokumente aus den Beständen der Konzentrationslager und Displaced Persons verfügbar. Im Jahr 2021 sollen diese durch Beschreibungen der Dokumente über die NS-Zwangsarbeit erweitert werden.
Zum e-Guide

Dauerausstellung 
Die im Jahr 2019 eröffnete Ausstellung zur Geschichte der Arolsen Archives mit dem Titel „Ein Denkmal aus Papier“ beleuchtet in einem ihrer Themenbereiche die Situation der Sinti und Roma nach 1945. Am Beispiel von Rosa Mettbach, die als einziges Mitglied ihrer Familie überlebte, wird der Umgang der Behörden mit Sinti und Roma dargestellt, die nach 1945 vor allem im Kontext von Entschädigungsverfahren weiterhin diskriminiert und amtlichem Antiziganismus ausgesetzt waren. Nähere Informationen zur Ausstellung sind in einem virtuellen Rundgang sowie im begleitenden Ausstellungskatalog zu finden.
Zum virtuellen Ausstellungsrundgang
Zum PDF des Ausstellungskatalog (Seite 101: Rosa Mettbach)

Projekt „documentED“
Das Projekt „documentED“ bietet auf Basis der in den Arolsen Archives überlieferten Dokumente Arbeitsmaterialien, sogenannte Toolkits, u.a. auch über die Verfolgung von Sinti und Roma, für die Vor- und Nachbereitung eines Besuchs in verschiedenen Gedenkstätten. Die Toolkits stehen für Pädagoginnen und Pädagogen frei zum Download bereit. Auf Anfrage stellen die Arolsen Archives auch individualisierte Toolkits mit einem möglichen Lokal- oder Regionalbezug zum Wohnort der Lerngruppe zusammen.
Zum Projekt documentED

Bildungsmaterialien und Publikationen
Die Arolsen Archives haben in den zurückliegenden Jahren verschiedene Publikationen erarbeitet, die sich mit der Verfolgung von Sinti und Roma auseinandersetzen. 

Die pädagogische Handreichung „Bruchstücke eines Lebens“ wurde auf Basis der persönlichen Hinterlassenschaften des im KZKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". Mauthausen ermordeten Sinto Heinrich Laubinger entwickelt. Sie enthält neben Dokumenten, Bildern und Texten zur Lebensgeschichte von Heinrich Laubinger die aus der Verwaltung des KZ Mauthausen erhaltenen Hinterlassenschaften sowie u.a. Arbeitshilfen zum Umgang mit Quellen und einen Einführungstext zur Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus.
Zur pädagogischen Handreichung

Zwei Bände der Reihe „Fundstücke“, die kaum bekannte Dokumente aus dem Archiv vorstellt und zugänglich macht, widmen sich der Verfolgung und dem Überleben von Sinti und Roma. Sie sind im Göttinger Wallstein Verlag erschienen und können dort und über den Buchhandel bezogen werden.

International Tracing Service (Hrsg.): 
Stimmen der Überlebenden des „Zigeunerlagers Lackenbach“, Fundstücke Band 1, Göttingen 2014.
Publikation beim Wallstein-Verlag
Entwurzelt im eigenen Land. Deutsche Sinti und Roma nach 1945, Fundstücke Band 2, Göttingen 2015.
Publikation beim Wallstein-Verlag

Infos / Kontakt

Die Arolsen Archives bieten im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikator*innen der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit einen Workshop zum Thema „NS-Verfolgung von Sinti und Roma“ an.

Bitte wenden Sie sich bei Interesse an education@arolsen-archives.org

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