Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Zentrale Einrichtung zur Geschichte und Kultur der Sinti und Roma in Deutschland
  • Workshop mit dem Geschichtskoffer in der Ausstellung (Foto: Archiv DokuZ/Susanne Lencinas)
  • Das Zentrum in der Heidelberger Altstadt (Foto: Archiv DokuZ)
  • Blick in die Dauerausstellung (Foto: Archiv DokuZ/Lars Kehrel)
  • Workshop mit Quellenmaterial (Foto: Archiv DokuZ/Susanne Lencinas)
  • Sichtung von Zeitzeugeninterviews (Foto: Archiv DokuZ/Susanne Lencinas)
  • Blick in die Dauerausstellung (Foto: Archiv DokuZ/Lars Kehrel)
  • Schüler*innen präsentieren ihre Arbeitsergebnisse (Foto: Archiv DokuZ/Susanne Lencinas)
  • Gedenkbereich im Dachgeschoss (Foto: Archiv DokuZ/Lars Kehrel)

Kurzinformation

Zentrale Einrichtung zur Geschichte und Kultur der Sinti und Roma in Deutschland

Beschreibung

Wass ketne! Lasst uns zusammenkommen – das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma versteht sich als Ort der Begegnung und des Dialogs. Mit Unterstützung der Stadt Heidelberg wurde der Gebäudekomplex nach mehrjährigen Umbaumaßnahmen mit der weltweit ersten Dauerausstellung zum Holocaust an den Sinti und Roma am 16. März 1997 eingeweiht. Gemeinsam mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bildet das Zentrum die zentrale Einrichtung der Minderheit in Deutschland. Als europaweit singuläre Einrichtung wird es durch die Bundesregierung und das Land Baden-Württemberg institutionell gefördert.

Immer im Mittelpunkt stehen die MenschenrechteMenschenrechte Menschenrechte gelten für alle Menschen, gleichgültig in welchem Land oder Staat der Erde sie leben. Die Idee, genau festzulegen, welche Rechte dies sind, gibt es schon seit langer Zeit. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Vereinten Nationen (UNO) daran, diese Rechte schriftlich zu verfassen und den einzelnen Ländern zur Unterzeichnung vorzulegen. Am 10. Dezember 1948 wurde von der UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Die Menschenrechte gelten also für alle Menschen, unabhängig von nationaler oder sozialer Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Vermögen, politischer, religiöser oder sonstiger Einstellung. Zahlreiche wichtige Punkte sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in 30 Artikeln festgelegt, vom Verbot von Diskriminierung, Folter oder Sklaverei über die Versammlungsfreiheit, das Recht auf Bildung, Eigentum oder Arbeit bis zum Asylrecht oder zur Gewissens-, Glaubens- und Meinungsfreiheit. Die meisten Staaten haben die Menschenrechtserklärung unterzeichnet. Dennoch gibt es in vielen Ländern (auch in solchen, die unterzeichnet haben) Menschenrechtsverletzungen. Viele Einrichtungen in den verschiedenen Ländern beobachten die jeweilige Menschenrechtssituation und der Europarat veröffentlicht jährlich einen Bericht, in dem er die Situationen in den einzelnen Ländern beschreibt.. Als Forum für Minderheiten sollen hier alle eine Stimme erhalten, die Opfer von Diskriminierung und Gewalt sind. Denn vor dem Hintergrund der eigenen Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus besteht eine besondere Verpflichtung, ein Ort kritischer Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu sein, und in der Antirassismusarbeit, der Bildung sowie der pädagogischen Arbeit Akzente zu setzen.

Darüber hinaus ist das Zentrum Ort des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Speziell die Dauerausstellung macht das Haus zu einem bedeutenden Museum zur Zeitgeschichte und internationalen Erinnerungsort. Deshalb besteht auch eine der wichtigsten Aufgaben darin, die über 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland und Europa zu dokumentieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den NS-Völkermordverbrechen, die jahrzehntelang aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurden. Priorität haben dabei die Interviews mit Überlebenden des Holocaust und das Festhalten ihrer Erinnerungen auf Tonband oder Video und Archivrecherchen im In- und Ausland. Darüber hinaus sammelt das Zentrum systematisch private Zeugnisse von Überlebenden und ihren Angehörigen, wobei alte Familienbilder von besonderer Bedeutung sind. Aus dieser Arbeit ist mittlerweile ein Archiv entstanden, das in seiner Art einzigartig ist.

Angebote

Ein Besuch im Dokumentations- und Kulturzentrum bietet die Begegnung mit der Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma und ermöglicht eine Auseinandersetzung mit der Verfolgung dieser Minderheit in der Zeit des Nationalsozialismus. Es werden Bildungsformate angeboten, die ein kritisches Geschichtsbewusstsein, die Auseinandersetzung mit vergangenem und gegenwärtigem RassismusRassismus Rassismus ist eine Form von Diskriminierung, bei der Menschen nicht als Individuen, sondern als Teil einer einheitlichen Gruppe mit bestimmten (meist negativen) Merkmalen und Charaktereigenschaften angesehen werden. Durch Rassismus wurden und werden Menschen aufgrund der realen oder vorgestellten Zugehörigkeit (beispielsweise zu einer Volksgruppe, Nationalität etc.) oder aufgrund äußerer Merkmale, einer bestimmten Religion oder Kultur vorverurteilt, ausgegrenzt, benachteiligt, unterdrückt, gewaltsam vertrieben, verfolgt und ermordet. sowie individuelle Reflexionsprozesse über Identität, Verantwortung und Handlungsspielräume anregen. Angemeldete Gruppen werden durch erfahrene pädagogische MitarbeiterInnen begleitet. Sie führen durch die Ausstellung, beantworten Fragen, regen Diskussionen an und leiten Gruppenarbeiten. Für SchülerInnen und Jugendliche werden Ausstellungsführungen im klassischen Sinn nicht mehr angeboten. An ihre Stelle sind ab der 9. Jahrgangsstufe für alle Schulformen Workshops getreten, die einen Dialog und Austausch fördern und durch selbstbestimmtes Lernen zur Auseinandersetzung mit den Ausstellungsinhalten, zum Setzen persönlicher Akzente und zur kritischen Reflexion anregen. Zur Vorbereitung der Workshops ist die Vermittlung von Grundkenntnissen über die Geschichte des Nationalsozialismus und die der Minderheit der Sinti und Roma erwünscht. Workshops „Geschichte zeigen“ – Wir erkunden die Ausstellung Erkundung von Ausstellungsthemen in Kleingruppen mit anschließendem Rundgang (Dauer: 1,5-2 Stunden) „Ein Koffer mit Geschichte(n)“ – Aktives Lernen mit dem Museumskoffer Auseinandersetzung mit Ausstellungsthemen und den Info-Boxen des Geschichtskoffers mit abschließendem Rundgang (Dauer: 3 Stunden) Darüber hinaus bietet das Zentrum an:

  • Führungen durch die ständige Ausstellung
  • Workshops und Seminarveranstaltungen zur Gedenkstättenpädagogik
  • Studien- und Projekttage zur Geschichte und Verfolgung der Sinti und Roma sowie zum Antiziganismus (auch als Teil von Aus- und Fortbildungen)
  • Beratung und Begleitung von Präsentationen, Facharbeiten, Gleichwertigen Feststellungen schulischer Leistungen (GFS) und Seminarkursen
  • Vermittlung von zeitgeschichtlichen Stadterkundungen in Heidelberg
  • Planung und Durchführung von Lehrerfortbildungen und Fachtagungen (auch in Schulen)
  • Betreuung von schulischen und universitären Forschungsarbeiten
  • Vermittlung von themenspezifischen Gesprächspartnern und Fachreferenten
  • Organisation und Begleitung von Gedenkstätten-Exkursionen (u.a. Natzweiler und Auschwitz)
  • Gespräche zur Geschichte und Kultur der Sinti und Roma

Kosten und Kontakt

Die Bildungsangebote sind kostenfrei. Für Anmeldungen können das Zentrum per Telefon (06221-981102) oder E-Mail (andreas.pflock@sintiundroma.de) kontaktieren. Bitte berücksichtigen Sie dabei unbedingt, dass Terminwünsche bis zu einer definitiven Bestätigung zunächst nur unter Vorbehalt entgegengenommen werden können.