Beschreibung
Nach der ersten Initiative zur Errichtung eines NS-Dokumentationszentrums in der Stadt Freiburg im Jahr 2009 folgte 2018 der Beschluss des Gemeinderats zu dessen Einrichtung. Nach Umbauarbeiten ab 2019 konnte das Zentrum mit seiner Dauerausstellung am 21. März 2025 feierlich eröffnet werden.
Der Ausstellungs- und Gedenkort wurde in dem 1936 eingeweihten ehemaligen städtischen Verkehrsamtsgebäude untergebracht. Als nationalsozialistisches Aushängeschild für den Tourismus der Stadt sollte das Gebäude damals das Ideal der „völkischen“ Heimat symbolisieren. Im Kellergeschoss war zudem bereits 1935 ein Luftschutzraum eingerichtet worden. In der Freiburger Innenstadt ist das Gebäude eines der wenigen, welche die Bombardierung vom 27. November 1944 überstanden, während große Teile der angrenzenden Altstadt völlig zerstört wurden.
Die Ausstellung mit dem Titel „Hinter den Fassaden. Freiburg im Nationalsozialismus“ widmet sich auf drei Etagen den Ereignissen und Personen aus Freiburg und der Region zwischen 1918 und der Gegenwart. Neben der Dauerausstellung und einer Sonderausstellungsfläche im Obergeschoss wurden Seminarräume, Büros sowie ein Raum für einen Teil der Gertrud-Luckner-Bibliothek eingerichtet.
Vier chronologisch angeordnete, individuell und interaktiv gestaltete „Zeit-Räume“ laden dazu ein, sich intensiv mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Im Erdgeschoss, das zugleich als Foyer und Veranstaltungsraum dient, wird die Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Beginn der NS-Diktatur präsentiert. Hier ist zudem ein großflächiges Wandgemälde von Theodor Kammerer aus dem Jahr 1939 zu sehen, dass bei den Umbau- und Sanierungsarbeiten freigelegt wurde.
Durch die historische „Gas-Schleuse“ gelangt man in den ehemaligen öffentlichen Luftschutzkeller, der Teil der Dauerausstellung ist. Im zweiten Ausstellungabschnitt zur Etablierung der NS-Diktatur werden Ausgrenzung und Anpassung zwischen 1933 und 1938 thematisiert. Von der Decke hängende Glasplatten mit eingravierten Fassadenumrissen zeigen verschiedene bekannte Gebäude und Plätze der Stad. Beim Blick hinter die jeweilige (Glas)Fassade geben Exponate und Texte Informationen zum Geschehen vor Ort.
Der dritte „Zeit-Raum“ beschreibt das kaum überschaubare Ausmaß der Gewalt und die gleichzeitige „Normalität“ in Freiburg während des Krieges. In einem Seitenraum können Besuchende anhand einer interaktiven Medienstation die Lebenswege von Menschen quer durch Europa nachverfolgen und dabei Eindrücke von der räumlichen Dimension der Gewalt bekommen. Mit dem Beginn des 1943 ausgerufenen „Totalen Krieges“ veränderte sich das Kriegsgeschehen. Die Ereignisse der letzten zweieinhalb Kriegsjahre sowie die Befreiung und Besatzung Freiburgs durch das französische Militär werden im Obergeschoss des Gebäudes dargestellt.
Im letzten „Zeit-Raum“ widmet sich die Dauerausstellung den Auswirkungen und Umgangsweisen mit der Erfahrung des Nationalsozialismus in Freiburg. Auf thematischen Pulten werden die ersten Nachkriegsjahre und -jahrzehnte auszugsweise dargestellt. Zahlreiche Schubladen ermöglichen eine interaktive, interessengeleitete Vertiefung. Mit Blick auf die Gegenwart verdeutlicht die Ausstellung, wie wichtig es ist, sich weiterhin mit der Geschichte auseinander zu setzen. Sie weist auf die stetige Veränderung der Erinnerung hin und lädt dazu ein, die eigene Haltung zum „Lernen aus der Geschichte“ zu reflektieren.
Im überdachten Innenhof ist ein Gedenkraum entstanden, der allen Freiburger*innen gewidmet ist, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Hier sind die bislang bekannten Namen der Menschen sichtbar, die zwischen 1933 und 1945 ermordet wurden oder im Kontext der Verfolgung gestorben sind. Der hintere Raumteil ist dem Gedenken an die als jüdisch verfolgten Freiburger*innen sowie der zerstörten Freiburger Synagoge gewidmet. In den Boden eingelassen sind dafür mehrere Fundamentsteine der Synagoge, die sich bis 1938 wenige hundert Meter entfernt auf dem heutigen Platz der Alten Synagoge befand.
Angebote
In allen Abschnitten der chronologisch aufgebauten Dauerausstellung wird die Verfolgung von Sinti und Roma aufgegriffen, teils durch Objekte, Erläuterungen oder Biografien. Thematisiert werden dabei z.B. die Entrechtung durch Gesetze, der „FestsetzungserlassFestschreibungserlass Der Festschreibungserlass war eine Anordnung von Heinrich Himmler (dem Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei) vom 17. Oktober 1939. Darin wurde den Sinti und Roma verboten, ihren Wohn- und Aufenthaltsort ohne vorherige Genehmigung zu verlassen. Selbst für Besuche bei auswärtigen Verwandten mussten vorher Passierscheine beantragt werden, um sich nicht strafbar zu machen. Bei Zuwiderhandlungen drohten Verhaftung und Einweisung in ein Konzentrationslager.“ aus dem Jahr 1939, die Deportationen nach Auschwitz ab 1943 sowie die Verfolgungsgeschichten der Familien Spindler und Reinhardt und die städtische Wohnungsbaupolitik für Sinti und Roma in den Nachkriegsjahrzehnten.
Das Dokumentationszentrum bietet ein vielfältiges pädagogisches Programm zur historisch-politischen Bildung an. Ein spezifisches Angebot zur Vermittlung der Verfolgung von Sinti und Roma besteht derzeit nicht, allerdings wird diese in verschiedenen Bereichen der Dauerausstellung thematisiert.
Über die App der Museen Freiburg können unterschiedliche Ausstellungsrundgänge, auch in leichter Sprache, Biografien zum Gedenkraum sowie historische Verfolgungskontexte abgerufen werden. Die App kann auch zur Orientierung über die Ausstellungsinhalte außerhalb der Räume des Dokumentationszentrums genutzt werden.
Infos/Kontakt
Bitte wenden Sie sich für weitere Auskünfte direkt an das Dokumentationszentrum:
Dokumentationszentrum Nationalsozialismus
Rotteckring 14
79098 Freiburg im Breisgau
Telefon/E-Mail:
Tel.: +49 (0) 761 201-2757
dzns@freiburg.de
Quellenangaben
Press- und Öffentlichkeitsreferat Stadt Freiburg: Dokumentationszentrum Nationalsozialismus. Hinter den Fassaden. Freiburg im Nationalsozialismus, Freiburg 2025.






