Geschichte.Bewusst.Sein

Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus – Materialien aus Niedersachsen

Kurzinformation

Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus – Materialien aus Niedersachsen

Beschreibung

Das Bildungsportal „Geschichte.Bewusst.Sein“ der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten bündelt Materialien und pädagogische Angebote niedersächsischer Gedenkstätten, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus und dessen Folgen auseinandersetzen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Multiplikator*innen der schulischen und außerschulischen Bildung und möchte das kritische Geschichtsbewusstsein fördern.

Anlässlich der Gedenktage an die DeportationDeportation Bezeichnung für die zwangsweise Um- oder Aussiedlung von Menschen aus ihren Wohngebieten, zum Teil unter Androhung und Anwendung von Gewalt. Während der NS-Zeit wurden ganze Bevölkerungsgruppen wie Juden oder Sinti und Roma zunächst aus dem Deutschen Reich, dann auch aus dem übrigen Europa, in Sammellager, Gettos und Konzentrations- oder Vernichtungslager in die besetzten Ostgebiete deportiert und dort ermordet. Oft wurde dies auch zur Tarnung als "Evakuierung" bezeichnet. von Sinti und Roma aus Norddeutschland in das Vernichtungslager Auschwitz hat die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten im Frühjahr 2018 neue Informationen zur Verfolgungsgeschichte der Minderheit auf dem Portal veröffentlicht. Sie wurden von Historikern und Pädagogen gemeinsam mit Sinti- und Roma-Verbänden erarbeitet. 

Die Materialsammlung regt an, über die Verfolgung der Sinti und Roma in Niedersachsen in Schulen und anderen Einrichtungen zu lehren und zu lernen. Elf Themenmodule bieten einen biografischen und regionalgeschichtlichen Zugang. Zusätzlich stehen Vorschläge für die Bearbeitung von fünf zentralen historischen Dokumenten bereit. Alle Dateien sind im PDF-Format zum kostenlosen Download bereitgestellt und können als Kopiervorlagen vervielfältigt werden.

Die Themen der elf Module lauten:
Modul 1 Zigeuner – Sinti – Roma: drei Begriffe – ein Volk?
Modul 2 600 Jahre Sinti und Roma in Niedersachsen
Modul 3 ZwangssterilisationZwangssterilisation Bezeichnung für einen erzwungenen medizinischen Eingriff, bei dem ein Mensch ohne Einwilligung unfruchtbar, also unfähig zur Fortpflanzung, gemacht wird. Von Zwangssterilisationen waren in der NS-Zeit ca. 400.000 Menschen betroffen, darunter auch viele Angehörige der Sinti und Roma. Die Grundlage dafür bildete das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1934.
Modul 4 Auschwitzdeportation 1943
Modul 5 Zigeunerfamilienlager Auschwitz-Birkenau
Modul 6 Täter
Modul 7 Hilfe und Protest
Modul 8 … von der Polizei einfach weggeholt
Modul 9 Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938
Modul 10 Johann „Rukeli“ Trollmann
Modul 11 Die „Rassenhygienische ForschungsstelleRassenhygienische und bevölkerungsbiologische Forschungsstelle Ende 1936 wurde in Berlin die „Rassenhygienische und bevölkerungsbiologische Forschungsstelle“ (kurz: RHF) unter Leitung von Dr. Robert Ritter eingerichtet. Die „Forschungs­stelle“ sollte in enger Kooperation mit dem SS- und Polizeiapparat alle im Deutschen Reich lebenden Sinti und Roma erfassen und „rassenbiologisch“ klassifizieren. Ritter und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwangen die Menschen, Auskunft über ihre Verwandtschaftsverhältnisse zu geben, und nahmen aufwendige Vermessungen an ihnen vor. Neben detaillierten Stammbaumtafeln wurden Tausende anthropologische Fotografien angefertigt. Zahllose Blut- und Haarproben wurden genommen. Die bis Kriegsende von Ritters Institut erstellten 24.000 Gutachten, die Menschen per „Rassendiagnose“ zu „Zigeunern“ oder „Zigeu­nermischlingen“ erklärten, bildeten die Grundlage für die Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager.

Einen besonderen Bereich auf dem Bildungsportal nehmen zudem Lebensgeschichten von Verfolgten ein. Wer waren die Menschen, die aus Nordwestdeutschland als „Zigeuner“ in das KonzentrationslagerKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". Auschwitz deportiert worden sind? Was wissen wir über ihre Familien und ihr Leben vor der Verschleppung? Wie verlief die schrittweise Ausgrenzung aus der deutschen Gesellschaft? Wer war daran beteiligt? Auf diese Fragen geben die Lebensgeschichten der Deportierten Antworten. Es wird deutlich, dass die Deportationen flächendeckend in ganz Nordwestdeutschland durchgeführt wurden und nur die letzte Stufe einer langen Geschichte von Diskriminierung und Entrechtung waren. Die Durchsetzung des RassismusRassismus Rassismus ist eine Form von Diskriminierung, bei der Menschen nicht als Individuen, sondern als Teil einer einheitlichen Gruppe mit bestimmten (meist negativen) Merkmalen und Charaktereigenschaften angesehen werden. Durch Rassismus wurden und werden Menschen aufgrund der realen oder vorgestellten Zugehörigkeit (beispielsweise zu einer Volksgruppe, Nationalität etc.) oder aufgrund äußerer Merkmale, einer bestimmten Religion oder Kultur vorverurteilt, ausgegrenzt, benachteiligt, unterdrückt, gewaltsam vertrieben, verfolgt und ermordet. als Leitlinie der Politik seit 1933 hatte eine lange Vorgeschichte und endete mit dem VölkermordVölkermord Bezeichnung für die vorsätzliche Ermordung, Ausrottung oder anderweitige Vernichtung von Volksgruppen aufgrund ihrer vermeintlich rassischen, ethnischen oder sozialen Merkmale, ihrer Nationalität oder religiösen Überzeugungen. 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen einen völkerrechtlichen Vertrag über die Verhütung und die Bestrafung von Völkermorden. in Auschwitz. Anhand der Lebensläufe lassen sich gemeinsame Erfahrungen und unterschiedliche Schicksale der Sinti und Roma im Deutschen Reich aufzeigen. 

Die Darstellung der Biografien bietet vielfältige didaktische Anknüpfungspunkte: Individuelle Verläufe und Gemeinsamkeiten können erkannt und mit ihren Voraussetzungen und Mitwirkenden benannt werden sowie Ansatzpunkte und Anregungen für forschendes Lernen im lokalen Umfeld entdeckt werden.