Konzentrationslager Osthofen

Inhaftierung von Sinti und Roma im „frühen“ KZ Osthofen
  • 1933: Außenansicht des KZ Osthofen mit dem weithin sichtbaren Schriftzug und der gehissten Hakenkreuz-Flagge nehmen dem Eingangstor (Foto: NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz)
  • Worms, März 1933: Rund 80 Kommunisten und Sozialdemokraten auf dem Weg in das KZ Osthofen (Foto: NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz)

Kurzinformation

Inhaftierung von Sinti und Roma im „frühen“ KZ Osthofen

Geschichte des Lagers

In Osthofen, unmittelbar an der Bahnstrecke Worms-Mainz, entstand in den Gebäuden einer ehemaligen Papierfabrik kurz nach der Machtübernahme der NSDAP ein KonzentrationslagerKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit".. Es gehörte zu den sogenannten „frühen“ Konzentrationslagern. Diese rund 90 Lager im Deutschen Reich wurden unmittelbar nach der Machterlangung der Nationalsozialisten von lokalen oder regionalen Instanzen ebenso wie auf Länderebene eingerichtet. Als improvisierte Haftstätten dienten dafür u.a. Kellerräume (Berlin Papestraße) und leerstehende Fabrikgebäude (Dachau, Osthofen, Oranienburg) ebenso wie Burgen (Burg Hohnstein, Schloss Lichtenburg) oder Festungsanlagen (Ulm-Kuhberg). Im Emsland ließ das preußische Innenministerium drei Barackenlager in Neusustrum, Börgermoor und Esterwegen neu errichten. Ziel dieser von Polizei, SASturmabteilung Die „Sturmabteilung“ (kurz: SA) war eine 1921 gegründete, aus Freiwilligen gebildete, militärisch organisierte und uniformierte Kampf- und Schutztruppe der NSDAP. Die SA wurde insbesondere bei der Terrorisierung und Verfolgung politischer Gegner sowie zur Durchführung von Terroraktionen gegen Juden eingesetzt. und SSSchutzstaffel Die Schutzstaffel (kurz: SS) war 1925 als persönliche Leibwache Hitlers gegründet worden. Unter Heinrich Himmler wurde die SS zu einer Eliteeinheit aufgebaut, die zum zentralen Instrument des staatlichen Terrors wurde. Die SS hatte im Rahmen der „Endlösung“ maßgeblichen Anteil am Völkermord an den europäischen Juden sowie den Sinti und Roma. geführten Lager war es, die Gegner der Nationalsozialisten ohne jeglichen Rechtsbeistand durch Vollzug von „Schutzhaft“ willkürlichem Terror auszusetzen. FolterTortur Andere Bezeichnung für "Folter", „Quälerei“ oder „Strapaze“. und alltäglicher willkürlicher Terror dienten dazu, die Inhaftierten und auch die Bevölkerung einzuschüchtern und vor Widerstandshandlungen abzuschrecken. Bis auf wenige Ausnahmen existierten diese Lager zwischen 1933 und 1935 und wurden im Rahmen des Aufbaus eines zentralisierten KZKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit".-Systems unter Leitung der Inspektion der Konzentrationslager aufgelöst.

Im KZ Osthofen wurden vom Frühjahr 1933 bis zum Sommer 1934 mindestens 3.000 Gegner des NS-Regimes, allen voran Mitglieder der KPD, der SPD und Gewerkschafter, aber auch Angehörige des Zentrums, Juden, Zeugen Jehovas, Sinti und andere gefangen gehalten. Die Häftlinge waren in einer großen Halle neben dem Hauptgebäude der Fabrik untergebracht. Am Beispiel dieses ersten und sehr früh eingerichteten Konzentrationslagers des damaligen Volksstaates Hessens wird deutlich, was die Nationalsozialisten anstrebten: Die Ausschaltung der Gegner und Ausgrenzung ganzer Gruppen bis hin zur ihrer späteren Vernichtung.

Zwar wurde im KZ Osthofen in den 17 Monaten des Bestehens noch kein Häftling ermordet, aber die Gefangenen wurden menschenunwürdig behandelt, eingeschüchtert und misshandelt, um ihren Widerstandswillen zu brechen. Viele der Inhaftierten wurden nach der Schließung des Lagers erneut verfolgt, in andere Haftstätten und Lager verschleppt und dort später getötet.

Sinti und Roma im KZ Osthofen

Die Aktenüberlieferung des KZ Osthofen ist nicht erhalten, so dass sich nur wenige konkrete Aussagen zur Inhaftierung von Sinti und Roma treffen lassen. Überliefert ist, dass mindestens zwei in Worms beheimatete Sinti verhaftet und nach Osthofen gebracht wurden: Karl Wolf, der später in Auschwitz ermordet wurde sowie Jakob Steinbach, der die NS-Zeit überlebte, jedoch bereits unmittelbar nach dem Kriegsende im Jahr 1949 in Worms verstarb. Jakob Steinbach war Mitglied der Kommunistischen Partei. Daher ist anzunehmen, dass er als politischer Gegner in Schutzhaft genommen und nach Osthofen verbracht worden ist.

Quellenangaben

Benz, Wolfgang/Distel, Barbara (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, München 2005.
Meyer, Hans-Georg/Berkessel, Hans (Hrsg.): Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Band 1: „Eine nationalsozialistische Revolution ist eine gründliche Angelegenheit.“, Mainz 2000.
Schiffmann, Dieter (Hrsg.): Verfolgung und Widerstand in Rheinland-Pfalz 1933-1945, Band 1: Gedenkstätte KZ Osthofen, Mainz 2008.

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