Hildesheim, Kaiserstraße

Gedenktafel für die deportierten und ermordeten Hildesheimer Sinti
  • (Foto: Ekkehard Domning, Wikimedia Commons)

Kurzinformation

Gedenktafel für die deportierten und ermordeten Hildesheimer Sinti

Beschreibung

Die Gedenktafel befindet sich etwa 350 Meter südlich des Hildesheimer Hauptbahnhofs an der stark befahrenen Kaiserallee/Bundesstraße 1. An der Ecke Bahnhofstraße/Kaiserallee stand in der NS-Zeit das „Hermann-Göring-Haus“. Es diente ab November 1934 als Polizeidirektion mit angeschlossenem Polizeigefängnis. Bei einem Bombenangriff am 22. März 1945 wurde der Gebäudekomplex zerstört.

Die 38 x 28 Zentimeter große Tafel trägt folgende Inschrift:

„Hier stand bis zu seiner Zerstörung 1945 das Dienstgebäude der Polizeidirektion Hildesheim. Im Hinterhaus befanden sich die Zellen des Polizeigefängnisses. Am 1. März 1943 wurden hier die Angehörigen der Hildesheimer Sinti-Familien Franz und Braun-Franz inhaftiert und am 2. März 1943 gemeinsam mit weiteren Sinti-Familien des gesamten Regierungsbezirks Hildesheim (insgesamt 67 Personen, davon 38 Kinder unter 14 Jahren) über Braunschweig nach Auschwitz deportiert.
Nur acht von ihnen, darunter aus der Stadt Hildesheim Lily und Waltraud Franz, überlebten den VölkermordVölkermord Bezeichnung für die vorsätzliche Ermordung, Ausrottung oder anderweitige Vernichtung von Volksgruppen aufgrund ihrer vermeintlich rassischen, ethnischen oder sozialen Merkmale, ihrer Nationalität oder religiösen Überzeugungen. 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen einen völkerrechtlichen Vertrag über die Verhütung und die Bestrafung von Völkermorden..“

Entstehung

Die Gedenktafel wurde vom Hildesheimer Heimat- und Geschichtsverein initiiert und auch finanziert. Sie entstand im Rahmen der Bemühungen des Vereins, wichtige historische Orte im Stadtgebiet mit Informationstafeln zu markieren. Enthüllt und der Öffentlichkeit übergeben wurde die Tafel durch den damaligen Hildesheimer Oberbürgermeister Kurt Machens in Anwesenheit der Überlebenden Lily (Adele) van Angeren-Franz. Die Stadt lud im Anschluss zu einer Gedenkveranstaltung für die verfolgten Sinti und Roma ins Rathaus ein, bei der Dr. Hans-Dieter Schmid (Universität Hannover) über die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma berichtete.

Quellenangaben

Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum, Heidelberg: Sammlung Gedenkorte

Auskunft des Kulturbüros der Stadt Hildesheim vom 11. Januar 2021
Wir danken Frau Sabine Wehmeyer für die freundliche Unterstützung.

Hildesheimer Heimat- und Geschichtsverein e. V.: Jahresbericht 2007/2008, in: Hildesheimer Jahrbuch, Band 80 (2008), S. 254f.
Hans-Dieter Schmid: „Polizeilich zwangsentführt“. Das Leben der Sintizza Lily van Angeren-Franz von ihr selbst erzählt, aufgezeichnet von Henny Clemens und Dick Berts, Hildesheim 2004.
Ders.: Die DeportationDeportation Bezeichnung für die zwangsweise Um- oder Aussiedlung von Menschen aus ihren Wohngebieten, zum Teil unter Androhung und Anwendung von Gewalt. Während der NS-Zeit wurden ganze Bevölkerungsgruppen wie Juden oder Sinti und Roma zunächst aus dem Deutschen Reich, dann auch aus dem übrigen Europa, in Sammellager, Gettos und Konzentrations- oder Vernichtungslager in die besetzten Ostgebiete deportiert und dort ermordet. Oft wurde dies auch zur Tarnung als "Evakuierung" bezeichnet. der Sinti aus dem Regierungsbezirk Hildesheim, in: Hildesheimer Jahrbuch, Band 75 (2003), S. 139-179.

Foto: Ekkehard Domning, 23.11.2014 (Wikimedia Commons am 19.03.2021)

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