Lackenbach, Anhaltelager

Inhaftierung und Deportation der österreichischen Sinti und Roma
  • Die ersten Häftlinge im Lager Lackenbach am 23. November 1940 (Foto: Sammlung Andreas J. Schröck)
  • "... nach Litzmannstadt umgesiedelt..." (Foto aus Thurner: Kurzgeschichte Lackenbach)
  • Gebäude der ehemaligen Lagerkommandantur vor dem Abriss, ca. 1978 (Foto: DÖW Wien)
  • Ehemaliges Lagerareal, ca. 1960 (Foto: DÖW Wien)

Kurzinformation

Inhaftierung und Deportation der österreichischen Sinti und Roma

Historischer Hintergrund

Im östlichsten Teil Österreichs, dem BurgenlandBurgenland Das Burgenland ist das östlichste und kleinste (Einwohnerzahl) Bundesland in Österreich. Vor 1938 lebten ca. 11.000 Sinti und Roma in Österreich, davon ca. 8.000 im Burgenland., lebten in den 1930er Jahren ca. 7.000 bis 8.000 Roma und im übrigen Österreich ca. 3.000 Roma, Sinti, Kalderasch und Lowara. Im Burgenland lebten die Roma auf einige wenige Gemeinden verteilt und bildeten in manchen Gemeinden des Oberwarter Bezirks und des Südburgenlandes ein Viertel bis die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner. Sie lebten jedoch selten innerhalb der Orte, sondern in Siedlungen, die am Rande oder außerhalb der Gemeindegrenzen lagen.

Die ohnehin feindliche Haltung gegenüber Sinti und Roma in Österreich verschärfte sich eklatant nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938. Alsbald leitete Dr. Tobias Portschy als burgenländischer Landeshauptmann und NS-Gauleiter ein, dass den Roma ihr allgemeines Wahlrecht entzogen wurde. Er beraubte sie wichtiger Erwerbsquellen, indem er das öffentliche Musizieren untersagte und Wandergewerbescheine entziehen ließ. Portschys Vorstellungen und Verfolgungspraktiken waren zentral für die reichsweite Verschärfung der NS-Zigeunerverfolgung durch die Berliner Behörden. In einer „Denkschrift“ vom August 1938 schlug er unter dem Titel „Die Zigeunerfrage“ menschenverachtende und rassistische Maßnahmen zur völligen Ausgrenzung und Verfolgung der Sinti und Roma vor: Verbot von Beziehungen zwischen „Zigeunern“ und „Deutschen“, Verbot des Schulbesuchs, Sterilisierungen, regelmäßige Haus- und Personendurchsuchungen, Abriss der „Zigeunerhütten“ und Unterbringung der dort wohnenden Personen in Arbeitsbaracken, Errichtung von Arbeitslagern für „Zigeuner“, Berufsverbote, Ausschluss aus der Armee und „Förderung der freiwilligen Abwanderung“ ins Ausland.

Im Juni 1938 verhafteten die Nationalsozialisten die ersten 230 burgenländischen Roma, darunter 13- bis 14-jährige Kinder, und transportierten sie in das KonzentrationslagerKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". Dachau. 1938 wurden die noch lebenden Häftlinge weiter in das KZKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". Mauthausen gebracht. Am 28. Juni 1939 erfolgte die zweite DeportationDeportation Bezeichnung für die zwangsweise Um- oder Aussiedlung von Menschen aus ihren Wohngebieten, zum Teil unter Androhung und Anwendung von Gewalt. Während der NS-Zeit wurden ganze Bevölkerungsgruppen wie Juden oder Sinti und Roma zunächst aus dem Deutschen Reich, dann auch aus dem übrigen Europa, in Sammellager, Gettos und Konzentrations- oder Vernichtungslager in die besetzten Ostgebiete deportiert und dort ermordet. Oft wurde dies auch zur Tarnung als "Evakuierung" bezeichnet. von etwa 550 österreichischen Sinti und Roma in das KZ Dachau. 1939 brachte die SSSchutzstaffel Die Schutzstaffel (kurz: SS) war 1925 als persönliche Leibwache Hitlers gegründet worden. Den höchsten Dienstgrad innerhalb der SS stellte seit 1934 der „Reichsführer SS“ dar. Bis 1945 nahm Heinrich Himmler diese Position ein. Unter seiner Leitung wurde die SS zu einer Eliteeinheit aufgebaut, die zum zentralen Instrument des staatlichen Terrors wurde. Die SS hatte im Rahmen der „Endlösung“ maßgeblichen Anteil am Völkermord an den europäischen Juden sowie den Sinti und Roma. sie in die Konzentrationslager Buchenwald und Mauthausen. Nur wenige der Deportierten überlebten die mörderische ZwangsarbeitZwangsarbeit Bezeichnung für die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ohne oder mit nur sehr geringer Bezahlung. Das nationalsozialistische Deutschland schuf mit insgesamt über 12 Millionen Zwangsarbeiter*innen eines der größten Zwangsarbeitssysteme der Geschichte. Neben Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen wurden Millionen von Zivilisten aus besetzten Staaten Europas größtenteils verschleppt und von der deutschen Industrie als Zwangsarbeiter*innen missbraucht. in den dortigen Steinbrüchen. Ebenfalls im Juni 1939 wurden 440 österreichische Romnija verhaftete und zur Zwangsarbeit in das Frauen-KZ Ravensbrück deportiert.

Nachdem die Nationalsozialisten von einer geplanten Deportation weiterer rund 6.000 Sinti und Roma aus Österreich in das besetzte Polen im August 1940 absahen, begannen lokale Behörden auf der Grundlage eines Erlasses des RSHAReichssicherheitshauptamt Das Reichssicherheitshauptamt (kurz: RSHA) war eine im September 1939 durch die Zusammenlegung von Sicherheitsdienst und Sicherheitspolizei entstandene Behörde unter der Leitung von Reinhard Heydrich und Ernst Kaltenbrunner (ab 1943). Das Reichssicherheitshauptamt entwickelte sich zu einer zentralen Schaltstelle der Unterdrückung und des staatlichen Terrors in der Zeit des Nationalsozialismus. damit, Zwangsarbeitslager zur „Bekämpfung der Zigeunerplage in der Ostmark“ zu errichten. Diese als „Zigeunerlager“ bezeichneten Verfolgungsorte dienten zur Konzentration und Entrechtung der als „Zigeuner“ verfolgten Frauen, Kinder und Männer. Dort wurde ihre Arbeitskraft ausgebeutet und ihr Leben durch unzureichende Versorgung und Unterbringung sowie alltägliche Gewalterfahrungen bedroht. Zudem waren die im Deutschen Reich und Österreich eingerichteten „Zigeunerlager“ Ausgangspunkte für die reichsweiten Deportationen von Sinti und Roma in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ab März 1943. Von den ca. 11.000 österreichischen Sinti und Roma überlebten nur 10-15% den nationalsozialistischen VölkermordVölkermord Bezeichnung für die vorsätzliche Ermordung, Ausrottung oder anderweitige Vernichtung von Volksgruppen aufgrund ihrer vermeintlich rassischen, ethnischen oder sozialen Merkmale, ihrer Nationalität oder religiösen Überzeugungen. 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen einen völkerrechtlichen Vertrag über die Verhütung und die Bestrafung von Völkermorden..

Errichtung des Lagers

Das größte der für die Verfolgung und Deportation von Sinti und Roma im Deutschen Reich und Österreich gegründeten „Zigeunerlager“ war das „Anhaltelager“ im burgenländischen Dorf Lackenbach, rund 35 Kilometer südöstlich von Wiener Neustadt im Bezirk Oberpullendorf. Bernhard Wilhelm Neureiter, „Beauftragter für Zigeunerfragen“ im rassenpolitischen Amt der NSDAP Niederdonau, wirkte als zentraler Initiator bei der Errichtung des Lagers mit. Wie er berichtete, stieß sein Vorschlag zur Internierung der seiner Schätzung nach rund 2.700 in der Region Niederdonau lebenden Roma bei den beteiligten Stellen (Polizei, Gendarmerie, Landräte, Bürgermeister, Fürsorgeämter, Arbeitsämter, Ärzteführer und Kreisbeauftragten für Rassenpolitik) auf „volles Verständnis“.

Für das Lager wurde das Areal des „Schafflerhofs“, einem Gutshof nordöstlich der Ortsmitte von Lackenbach, genutzt, das mit Stacheldraht umzäunt und von Polizisten bewacht wurde. Eine genaue Lokalisierung ist nicht mehr möglich, da die wesentlichen baulichen Spuren bereits am 1. Oktober 1945 durch Brandstiftung zerstört wurden. Das Lagerareal erstreckte sich vermutlich im Bereich zwischen der heutigen Bergstraße sowie der Teich-, Esterhazy-, Hasenberg- und Schafflerhofgasse.

Das Lager unterstand der Kriminalpolizeileitstelle Wien, die auch für die Einweisungen verantwortlich war. Es wurde mit dem Eintreffen der ersten Männer, Frauen und Kinder wurde am 23. November 1940 eröffnet. Erster Lagerleiter war der SS-Untersturmführer Hans Kollross, der an den Folgen einer Typhusepidemie starb. An seine Stelle trat 1942 der SS-Obersturmführer Franz Langmüller, der die Insassen in besonderem Maße willkürlichem Terror und Gewalt aussetzte. Ab 1. September 1942 übernahm SS-Obersturmführer Fritz Eckschlag die Lagerleitung, der ein Jahr später von SS-Untersturmführer Julius Brunner abgelöst wurde.

Insassen und Lebensbedingungen

In der Zeit von November 1940 bis April 1945 wurden im Lager Lackenbach insgesamt über 4.000 Sinti und Roma, mehrheitlich Frauen und Kinder, gefangen gehalten. Die größte Gruppe der Inhaftierten bildeten Roma, die aus dem Burgenland dorthin verschleppt worden waren. Weitere Menschen waren aus Wien, Kärnten und Niederösterreich nach Lackenbach gebracht worden. Bei der Auflösung des „Zigeunerlagers“ in Salzburg-Maxglan wurden im Frühjahr 1943 auch 20 dort inhaftierte Sinti nach Lackenbach gebracht. Weitere kleine Gruppen von Gefangenen stammten aus Ungarn und Italien. Die Anzahl der Häftlinge schwankte zwischen 570 und 2.000. Die Höchstzahl wurde bereits im November 1941 mit 2.335 erreicht. In den überlieferten Aktenbeständen des Lagers befinden sich Hinweise auf insgesamt 170 Fluchtversuche, von denen 64 erfolgreich verliefen und zumindest zunächst in die Freiheit führten. Allerdings kann nicht abschließend geklärt werden, ob die geflüchteten Personen bis Kriegsende nicht erneut verhaftet und ermorden worden sind.

Während das Gutsgebäude von der Lagerleitung bezogen wurde, dienten die baufälligen Nebengebäude und Stallungen den inhaftierten Männern, Frauen und Kindern als primitive Wohn- und Schlafstätten. Familien, die mit ihren Wohnwagen ins Lager kamen, wurde anfangs deren weitere Benutzung gestattet, was zugleich bessere Lebensbedingungen bedeutete. Die insgesamt menschenverachtenden Lebensbedingungen führten schließlich im Oktober 1941 zu ersten Fällen von TyphusTyphus Typhus ist eine hochansteckende Infektionskrankheit mit Fieber, Bauchschmerzen, Darmverstopfung und verlangsamtem Herzschlag, die durch mangelnde Hygiene entsteht. Ohne ärztliche Behandlung und Medikamente endet die Krankheit tödlich., aus denen sich eine Epidemie entwickelte, die im Januar 1942 ihren Höhepunkt erreichte. Nachdem zunächst vor allem Neugeborene und Kleinkinder erkrankt und gestorben waren, stieg die Todesrate um den Jahreswechsel 1941/1942 unter den älteren Insassen stark an. Die Lagerleitung traf daraufhin Maßnahmen, die ausschließlich dem Schutz der Lagerverwaltung und Lagerbewachung sowie der Lackenbacher Bevölkerung dienten. Die Gefangenen wurden im Lager eingesperrt, völlig isoliert und sich selbst überlassen. Der örtliche Gemeindearzt, der die Lagerinsassen medizinisch betreute, stellte jegliche medizinische Versorgung der Erkrankten ein. Zur Zwangsarbeit eingesetzte Insassen wurden zurück ins Lager gebracht, wo sie der Gefahr einer Infizierung ausgesetzt wurden. Die Bewachung wurde verstärkt und erhielt den Befehl, bei Fluchtversuchen scharf zu schießen. Maßnahmen zum Schutz der Insassen und zur medizinischen Betreuung der Erkrankten wurden nicht getroffen. Das Massensterben im Lager interessierte nur insoweit, dass es nicht zur Bedrohung der Mehrheitsbevölkerung werden durfte. Nach dem Abklingen der Epidemie wurden drei Wohn- und eine Sanitätsbaracke errichtet, um die Lebensbedingungen der Inhaftierten zu verbessen und einer erneuten Epidemie vorzubeugen.

Ein wesentliches Element des Lageralltags bildete die Zwangsarbeit. Die Gefangenen mussten täglich acht bis elf Stunden bei Forstbetrieben, auf Guts- und Bauernhöfen, in einer Ziegelei und beim Bau von Straßen und Autobahnen schwere Arbeit leisten.

Die Überlebende Rosalia Karoly erinnert sich: „Ich war zwölfeinhalb Jahre alt, mein jüngster Bruder, noch ganz klein, ist in Lackenbach buchstäblich verhungert. Man sagte uns, wir kommen nach Deutsch-Wagram, um Paradeiser [Tomaten] zu pflanzen. In Lackenbach angekommen bekam ich am nächsten Tag einen Schlosseranzug und Holzpantoffeln, die mir viel zu groß waren. Wir mussten bei der Bachregulierung arbeiten. Mir gab man einen Krampen [Hacke zur Bodenbearbeitung], der viel größer war als ich. Schon am ersten Tag kam ich mit einem blutigen Gesicht zurück, so wurde ich geschlagen. Ich habe immer mit Erwachsenen arbeiten müssen, aber meine Kost war wie für ein Kleinkind. Lange Zeit später hat sich meine Mutter darüber beschwert, aber der Lagerleiter Langmüller bestrafte sie dafür und prügelte sie mit dem Gummiknüppel.“ (zitiert nach Romano-Kipo 4/2020, S. 5)

Todesfälle und Deportationen

Infolge der Typhusepidemie starben rund 250 Lagerinsassen, darunter etwa 50% Kinder bis zum 5. Lebensjahr. Nach Aufzeichnungen des örtlichen Standesamtes starben weitere rund 40 Insassen, vor allem kleine Kinder und alte Menschen, aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen. Die Leichen wurden auf dem nahgelegenen jüdischen Friedhof begraben. Die Mehrheit der Inhaftierten wurde jedoch in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.

Die ersten Transporte aus Lackenbach setzten im November 1941 in das besetzte Polen ein. Mit zwei Transporten wurden je rund 1.000 Menschen in das GhettoGhetto Bezeichnung für häufig durch Mauern oder Stacheldrahtzäune abgeriegelte Teile von Orten und Städten, in denen Juden sowie Sinti und Roma abgetrennt von der übrigen Bevölkerung leben mussten. Ghettos wurden in vielen von den Nationalsozialisten besetzten Ländern eingerichtet, vor allem aber in den besetzten polnischen Gebieten. Weil bewusst viele Menschen auf wenig Raum untergebracht wurden, waren Ghettos meist schon nach kurzer Zeit hoffnungslos überfüllt. Die Lebensumstände dort waren menschenunwürdig. Viele der in Ghettos zusammengepferchten Männer, Frauen und Kinder starben elend durch Kälte, Hunger und Krankheiten. Litzmannstadt verschleppt. Niemand überlebte die dortigen Lebensbedingungen oder die anschließende Deportation in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno. Im Verlauf der reichsweiten Deportationen von Sinti und Roma in das „Zigeunerfamilienlager“ im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ordnete der Reichsführer-SS Heinrich Himmler in seinem Erlass vom 26. Januar 1943 die Deportation der Sinti und Roma aus den Donau- und Alpenreichsgauen an. Unter den Deportierten befanden sich auch Insassen des Lagers Lackenbach, deren Anzahl jedoch nicht überliefert ist.

Bei Kriegsende befanden sich noch etwa 300-400 Insassen in Lackenbach, die im April 1945 von der sowjetischen Armee befreit wurden.

Quellenangaben

Baumgartner, Gerhard/Brettl, Herbert: „Einfach weg!“ – Verschwundene Romasiedlungen im Burgenland, Wien 2020.
Brettl, Herbert: Aspekte zur Genese und Struktur des „Zigeunerlagers“ Lackenbach, in: Verfolgung und Ahndung. Jahrbuch des DÖW 2021, hrsg. von Schindler, Christine im Auftrag des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Wien 2021, S. 167-191.
Erinnerung an Prof. Rudolf Sarközi, Kulturverein Österreichischer Roma (https://www.kv-roma.at/content/?_id=141&_w=Lackenbach am 5.3.2021).
Fundstücke. Stimmen der Überlebenden des „Zigeunerlagers“ Lackenbach, hrsg. von Urban, Susanne/Feuchert, Sascha/Roth, Markus, Göttingen 2014.
Mri Historija. Lebensgeschichten burgenländischer Roma (http://www.roma-service.at/mrihist-ausgaben.shtml am 5.3.2021).
Romano-Kipo 4/2020: 80 Jahre Zigeunerlager Lackenbach. Zwangsarbeitslager, Deportationslager, Todesort (https://www.kv-roma.at/documents//Romano_Kipo/Romano-Kipo_4_2020.pdf am 5.3.2021).
Thurner, Erika: Nationalsozialismus und Zigeuner in Österreich (Veröffentlichungen zur Zeitgeschichte 2), hrsg. von Weinzierl/Erika, Hanisch/Ernst und Stuhlpfarrer/Karl, Wien/Salzburg 1983.
Dies.: Kurzgeschichte des nationalsozialistischen Zigeunerlagers in Lackenbach (1940 bis 1945), Eisenstadt 1984.
Dies.: Sinti und Roma im Burgenland/Österreich – Das Lager Lackenbach, in: Sinti und Roma unter dem Nazi-RegimeRegime Meist abwertende Bezeichnung für eine Herrschafts- oder Regierungsform., Band 2: Die Verfolgung im besetzten Europa, hrsg. von Kenrick, Donald, Berlin 2000, S. 39-60.
Dies.: Mahn- und Denkmäler für Sinti und Roma („Zigeuner“), in: Auf der Klaviatur der Rechtsgeschichte. Festgabe für Kurt Ebert zum 75. Geburtstag, Hamburg 2019, S. 947-966.

Wir danken Horst Horvath (Roma Volkshochschule Burgenland, Oberwart) und Prof. Dr. Erika Thurner (Universität Innsbruck) für die wichtigen Hinweise und die freundliche Unterstützung.

Die Recherchen wurden freundlicherweise ermöglicht durch eine finanzielle Förderung des Auswärtigen Amtes, Berlin.

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