Frankfurt, Ricky-Adler-Straße

Straßenbenennung zur Erinnerung an den Sinto und Holocaust-Überlebenden
  • Bushaltestelle "Paul-Apel-Straße" unmittelbar neben der nach Herbert Ricky Adler benannten Straße im Frankfurter Stadtteil Riedberg (Foto: Andreas Pflock)
  • Straßenschild mit erläuternder Legende (Foto: Andreas Pflock)
  • Blick auf den Beginn der nach Herbert Ricky Adler benannten Straße (Foto: Andreas Pflock)

Kurzinformation

Straßenbenennung zur Erinnerung an den Sinto und Holocaust-Überlebenden

Beschreibung

Im Frankfurter Stadtteil Kalbach-Riedberg erinnert in einem Neubaugebiet eine Straße an den Überlebenden der KonzentrationslagerKonzentrationslager Konzentrationslager (kurz: KZ oder KL) waren das wichtigste Instrument der NS-Terrorherrschaft. Erste Lager entstanden schon im März 1933, kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, anfangs noch in u.a. leeren Fabrikgebäuden, ehemaligen Gefängnissen und Kellergewölben. Bis Kriegsbeginn wurden sieben Konzentrationslager errichtet, bis Ende des Krieges waren es 22 Hauptlager mit weit über 1.000 Außenlagern und Außenkommandos. Alle, die von den Nationalsozialisten zu weltanschaulichen, religiösen und „rassischen“ Gegnerinnen und Gegnern erklärt worden waren, sollten dort inhaftiert werden. Darunter befanden sich vor allem Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Sozialisten und andere politische Gegner. Mit Kriegsbeginn verschärften sich die Haftbedingungen weiter und die Ermordung der Gefangenen wurde zur Selbstverständlichkeit. Die Arbeitskraft der Häftlinge sollte bis zur völligen Erschöpfung oder bis zum Tod für die Kriegswirtschaft ausgenutzt werden. Die SS bezeichnete dies als "Vernichtung durch Arbeit". Auschwitz, Ravensbrück, Sachsenhausen und Buchenwald. Die nach Herbert Ricky Adler benannte Straße befindet sich am nördlichen Ende von Riedberg, unmittelbar neben dem Gelände des Sportclubs Rietberg e.V. und an der Bushaltestelle „Paul-Apel-Straße“.

Das Straßenschild wurde ergänzt durch eine Legende mit folgendem Text:
„Herbert Adler, Rufname Ricky
1928-2004
Verfolgter des NS-Regimes
Ehrenmitglied des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma“

Entstehung

Auf Anregung des Verbands Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Hessen schlug der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main am 20. September 2010 vor, im Gebiet mit Straßenbenennungen nach Widerstandskämpfern, Opfern und Verfolgten des Nationalsozialismus eine Straße nach Ricky Adler zu benennen und reichte diese Initiative zur Beschlussfassung an den Ortsbeirat Kalbach-Riedberg weiter. Namensgeber*innen von Straßen des Gebietes sind heute u.a. Graf von Stauffenberg, Friedrich Karl Klausing, Johannes Georg Elser, Cäsar von Hofacker, Fritz Bauer, Edith Stein und Martin Niemöller.

Der Ortsbeirat stimmte dem Vorschlag des Magistrats am 21. Januar 2011 zu, jedoch unter Nennung des amtlichen Vornamens „Herbert Adler“. Nach einer Intervention der Stadt und der Frankfurter Sinti- und Roma-Union wurde diese Entscheidung schließlich modifiziert und der Ruf- und Spitzname „Ricky“ verwendet.

Quellenangaben

Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum, Heidelberg: Sammlung Gedenkorte
Amtsblatt der Stadt Frankfurt am Main: Nr. 7 vom 15.2.2011 und Nr. 27 vom 5.7.2011
Auskunft des Ortsvorstands Kalbach-Riedberg vom 17. Juli 2020
Auskunft des Fördervereins Roma e.V. vom 23. Juli 2020
Auskunft des Bauamts der Stadt Frankfurt vom 21. August 2020

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